technik

Ähnlich dem Rennrodeln zählt auch beim Rennrutschen die optimale Kurvenlage und eine ausgefeilte Technik. Im Spitzenbereich wird so um jede Hundertstel Sekunde gekämpft und da der Rutscher Sportler und Sportgerät in Einem ist, ist dies nicht immer ganz ungefährlich.

Jeder Körper ist anders geformt und so hat jeder seine eigenen kleinen Technikgeheimnisse und Eigenarten.

Techniken
Es gibt 6 Grundtechniken, von denen jedoch nicht alle bei Meisterschaften zugelassen sind.

1. Das "Magische Dreieck", oder die Schulterblätter-1Ferse-Technik
Diese Technik hat sich bei den meisten Rutschern durchgesetzt. Es wird mit den Füßen voraus auf dem Rücken gerutscht. Generell wird versucht die Reibung und dementsprechend die Auflagefläche auf der Rutsche zu minimieren. Wegen dem Luftwiderstand möglichst flach hinlegen, die Beine überkreuzen und den Hintern leicht abheben. Das resultiert in einer äußert wackeligen und überaus anstrengenden 3-Punkt Auflagefläche. Der Trick ist nun diese Position und die Körperspannung trotz wilder Kurvenwechsel und teilweise kurzer Sprünge (die meisten Wasserrutschen sind nicht für Geschwindigkeiten konzipiert die mit dieser Technik erreicht werden können, und so findet man sich dank der Zentrifugalkraft häufig am oberen Rand, bzw. der Decke der Rutsche wieder und wenn dann ein Richtungswechsel kommt ... aua) die ganze Rutschpartie über einzuhalten. Da es fast unmöglich ist, den Hintern bei so einer harten Landung nicht aufzusetzen, und ein Kontakt der Badehose mit der Röhre extrem bremsen würde, wird vorsorglich die Badehose zwischen die Arschbacken gezogen (alternativ natürlich auch mit String möglich).

2. Die Sitz-Technik
Für manche ist auch dies eine sehr schnelle Art durch das Wasserrohr zu jagen. Da Frauen aus anatomischen oder anderen wissenschaftlich noch nicht erforschten Gründen auf dem Rücken tendenziell eher langsam unterwegs sind, ist das Rutschen im Sitzen vor allem bei den Damen sehr beliebt. Hierbei wird ebenfalls auf blanker Haut, variierend auf einer oder zwei Arschbacken, gerutscht. Der Oberkörper ist nach vorn gebeugt und die Beine werden ebenfalls überschlagen, um mit nur einer Ferse Bahnkontakt zu haben. Der Nachteil ist ein etwas höherer Reibungs und Luftwiderstand, der aber teilweise durch Pinguinschläge (vor allem bei flachen, langsamen Rutschen) wieder gutgemacht werden kann.

3. Masse-"Technik"
Eigentlich keine Technik, sondern eher ein Resultat physikalischer Grundgesetze. Im Volksglauben immer noch weit verbreitet ist die Theorie, dass ein schwerer Rutscher immer schneller ist, als ein leichter. Hier meine Theorie, um dies zu widerlegen.

Zuerst einmal muss folgendes beachtet werden: Egal ob freier Fall oder schiefe Ebene, die Geschwindigkeit unterschiedlich schwerer fallender/rutschender Körper ist theoretisch gleich (vgl. das Experiment im luftleeren Raum: Ein Stein fällt mit gleicher Geschwindigkeit wie eine Feder). Die erste Variable ist also der Luft- bzw. Wasserwiderstand. Als zweites spielt die unterschiedliche Auflagefläche, also die Reibung eine entscheidende Rolle.

Die Kraft mit der ein Körper nach unten gezogen wird ist proportional zur Masse des Körpers. Die Hangabtriebskraft bezeichnet in der Physik die Komponente der Gewichtskraft, die auf einer schiefen Ebene hangabwärts gerichtet wirkt. Nur die Haftreibung wirkt dieser Kraft entgegen. Trotz vorteilhafter Materialeigenschaften von Wasserrutschen und der Tatsache, dass Wasser diese Haftreibung auf einen Bruchteil minimiert ist somit ein übervoluminöser Rutscher wegen der größerern Auflagefläche physikalisch erst einmal im Nachteil.

Im Theoriemodell, auf einer gleichmäßig abfallenden Rutsche, würde demnach der windschnittigere Rutscher mit wenig Auflagefläche das Rennen gewinnen. Paradoxerweise verkleinert sich mit geringer werdendem Neigungswinkel die vorteilbringende Hangabtriebskraft, aber die Siegchance für "Massenruscher" steigt. Dies lässt sich aber folgendermaßen erklären: Ein leichter und ein schwerer Köper, welche sich mit der gleichen Geschwindigkeit bewegen besitzen unterschiedlich große kinetische Energie. Diese Bewegungsenergie ist mit zunehmender Masse ungleich höher und resultiert darin, dass zum einen das bremsende Wasser weniger negativen Einfluss hat. Dieses Phänomen bestätigt sich bei sehr leichten Rutschern, vor allem bei Kindern. Trotz bester Technik und geringster Auflagefläche ist die Geschwindigkeit aufgrund der, im Verhältnis zur Masse, starken Bremskraft des Fließwassers, vergleichsweise gering.

Ein weiterer Punkt ist das Prinzip der Trägheit der Masse. Das bedeutet, dass bei Rutschen mit flachen Teilstücken, oder flacherwerdendem Verlauf diese Passagen, wegen der verzögerten Geschwindigkeitsabnahme, schneller überwunden werden können. Quasi: Schwer rutscht nicht schneller aber bleibt bei abnehmendem Gefälle länger schnell.

4. Bauch-Technik
In Wettkämpfen meistens verboten, da diese Rutsch-Haltung vom TÜV in der Regel nicht freigegeben ist und von einer Gefahr für den Sportler ausgegangen wird.
Hierbei stürzt man sich Kopf vorraus in die Röhre. Als Auflageflächen werden die unteren Bereiche der Oberschenkel (oder Knie) und Unterarme (oder Ellenbogen) benutzt. Mit behaarten Beinen ist damit auf jeden Fall kein Top-Speed zu erreichen. Der Vorteil ist, vor allem für weniger geübte Reckturner, dass man aus dem Stand oder mit Anlauf eine hohe Startgeschwindigkeit erreicht.

5. Knie-Technik
In Wettkämpfen meistens verboten, da diese Rutsch-Haltung vom TÜV in der Regel nicht freigegeben ist und von einer Gefahr für den Sportler ausgegangen wird. Einzige Auflagefläche bei Profi-Knierutschern sind: die Knie! Die Füße werden dabei abgehoben und gegebenenfalls kann auch hier mit den Händen mitgepatscht werden. Meist sind nur Kinder, schmerzresistente Minderheiten oder anatomisch dazu geborene Rutscher so unterwegs. Allein aus physiotherapeuthischer Sicht sollte man von dieser Technik jedoch absehen, da ernsthafte Schäden an und in den Gelenken entstehen können. Nicht abstreitbar ist, dass diese Technik auf manchen Rutschen eine unschlagbare Geschwindigkeit ermöglicht. Die Reibung ist minimal und die Auflagepunkte sind weniger in Kontakt mit dem bremsenden Fließwasser.

6. Ellenbogen-Technik
In Wettkämpfen meistens verboten, da bei dieser Rutsch-Haltung von einer erhöhten Verletzungsgefahr für den Sportler ausgegangen wird.
Entspricht ebenfalls dem magischen Dreieck, reduziert jedoch die Auflagepunkte auf die wahrscheinlich geringste körpermögliche Fläche. Statt der Schulterblätter werden dabei die Ellenbogen benutzt. Die erreichbare Geschwindigeit ist sehr beachtlich. Leider ist dies nicht nur sehr anstrengend, sondern in den meisten Fällen auch schmerzhaft. Auch diese Technik ist nicht jedermann zu raten, da je nach Person gesundheitliche Schäden nicht auszuschließen sind.

Durch die Summe aller Parameter ist letztendlich die perfekte Kombination aller Eigenarten von Rutscher und Rutsche ausschlaggebend für den Erfolg.